Ein guter Zug ... !

Ein Artikel aus der Radioschau 2/1960 von Ing. J.Sliscovic (bearbeitet 11/2002 von Hans-Peter Traußnigg)



Im Vorwort zu lesen:
Vor zwei Jahren hat der Transistor-Rocktaschensuper, dem wir schon im Jahre 1957 eine große Zukunft vorausgesagt haben, auch in Österreich seinen Siegeszug begonnen und ist heute vielen Rundfunkhörern als "personeller Informationsempfänger" oder als universell verwendbare Zweit- oder Dritt- Gerät ein unentbehrlicher Begleiter geworden. Das "Kristallwerk- Graz", das in Zusammenarbeit mit dem, unseren Lesern bestens bekannten Pionier der "Miniaturtechnik", Herrn Ing. J. Sliscovic, an dieser Entwicklung maßgebenden Anteil hat, kann nicht nur auf einen überaus erfolgreichen Inlandsabsatz hinweisen - viele Tausende dieser Kleinstempfänger wurden über eine Vertriebsorganisation abgesetzt - die inzwischen weiter entwickelten Exportmodelle haben sich als "guter Zug" erwiesen und der österreichischen Radiotechnik auch im Ausland neue und wertvolle Erfolge gebracht. Über technische Einzelheiten der neuen Modelle soll hier kurz berichtet werden.



Das Schaltbild der neuen Exportmodelle "RIVIERA" und "GRANADA" zeigt, dass mit den neuen Geräten bei grundsätzlich beibehaltenem Aufbau (5 Transistorstufen,2 Dioden) vor allem zwei Publikumswünsche erfüllt wurden: größere Ausgangsleistung und Trennung zwischen Lautstärkeregelung und Schalter. Die erhöhte Ausgangleistung wurde durch eine Gegentakt-Endstufe erreicht und kommt den Wünschen jener Benützer entgegen, die das kleine Gerät auch im Freien verwenden wollen. Durch die Trennung des Ein-Aus-Schalters vom Lautstärkeregler ergibt sich der Vorteil, dass die Stellung des Lautstärkereglers beim Ausschalten nicht geändert wird und der eingestellte Sender beim nächsten Einschalten sofort wieder mit der gleichen Lautstärke empfangen werden kann. Dies gilt natürlich nur für den voreingestellten Sender, denn trotz der ausgezeichnet funktionierenden automatischen Verstärkerregelung muss man beim Übergang auf schwächere Fernsender oder stärkere Ortssender nachregeln. Die hochwirksame automatische Regelung der Verstärkung erfolgt durch kombinierte Regelung der Basisvorspannung der ersten ZF-Stufe und der davon abgeleiteten Steuerung der Dämfungsdiode. Die Dämpfungsdiode OA79 wirkt auf den Primärkreis des ersten ZF-Filters und ist so vorgespannt, dass bei kleinen Feldstärken der einfallenden Sender keine Bedämpfung des ZF-Kreises auftritt. Das entspricht einer verzögerten Automatik aus der klassischen Regeltechnik. Den Grad der Verzögerung kann man durch richtige Wahl der Spannungsreduzierwiderstände optimal wählen. Die große HF-Empfindlichkeit des Gerätes beruht vorwiegend auf guter Ferritantenne, guten ZF-Filter und ausgesuchten bzw. richtigen verteilen Qualitätstransistoren. Entscheidend ist auch die richtige Vorspannung der Demodulatordiode OA70. Durch geeignete Dimensionierung des NF-Teils ist man in der Lage mit nur zwei NF-Stufen bei frischen Batterien die Gegentakt-Endstufe bis zu einer Leistung von 250mW auszusteuern ohne nennenswerte Verzerrungen in Kauf nehmen zu müssen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es von Vorteil ist, wenn die Einstellscheibe für die Stationswahl versenkt ausgeführt wird. Auf diese Weise kann das Gerät bei eingestelltem Sender auch in die Rocktasche gesteckt werden, ohne befürchten zu müssen, dass die Einstellung verschoben wird. Der getrennte "Ein-Aus" -Schiebschalter gestattet es ohne weiteres, das Gerät auch in der Rocktasche ein- oder auszuschalten. Das ist besonders wichtig, wenn das Gerät augenblicklich funktionieren soll, wie z.B. bei Nachrichten oder Wettersendungen. Durch die höher Ausgangsleistung ist natürlich die Frage der Lebensdauer der Batterien sehr in den Vordergrund gerückt. Es ist klar, dass durch die Anwendung der Gegentakt- B-Schaltung der Stromverbrauch von der jeweils gewählten Lautstärke abhängt. Hört man immer sehr laut, so wird ein Batteriensatz etwa 80 Stunden reichen, beider normalen Zimmerlautstärke (30...50mW) kommt man gut auf 200 Betriebsstunden. Das schöne Aussehen, das geringe Gewicht und die guten elektrisch- akustischen Eigenschaften haben auch für den Auslandserfolg dieser Geräte entscheidenden Einfluss. Es versteht sich von selbst, dass man sich hier wieder den speziellen Wünschen der betreffenden Konsumentenkreise anpassen musste, umsomehr als man im Auslande der Weltkonkurrenz gegenübersteht. Die Produktion des "Kristallwerkes- Graz" erstreckt sich nach wie vor auch in beträchtlichem Ausmaß auf die Erzeugung der Piezoelektrischen Elemente für die Elektroakustik, die ebenfalls in großen Mengen in viele Länder exportiert werden. Im Zusammenhang damit wird auch die Produktion von Schallplattenlaufwerken in großem Umfange betrieben. Selbstverständlich werden alle Arten von Laufwerken mit und ohne eingebauten Verstärker, für monaurale wie auch für stereofonische Wiedergabe erzeugt. Die Fabrikationsstätte von "Kristallwerk- Graz" ist sehr modern eingerichtet; man erzeugt mit wenigen Ausnahmen alle Teile und die notwendigen Werkzeuge selbst, hat eine eigene Abteilung für die Erzeugung von "gedruckten Schaltungen", eigene Kuststoff- Spritzanlagen und eigenen Werkzeugbau. J.Sliscovic




An dieser Dokumentation wird weiter gearbeitet !!!
Hinweise, Daten, Bilder, Prospekte sowie Geräte "Kristallwerk" und "HEA" erbeten an: hpt@lbs-eibiswald.ac.at